Wer auf einen etwas ausgefallenen Lebensstil steht, möchte sich nicht nur über die üblichen Statussymbole definieren, sondern lieber Unikate sein Eigen nennen. Das gilt jedoch längst nicht mehr bloß für maßgeschneiderte Kleidung, exklusive Designmöbel oder die nach eigenen Vorstellungen gestaltete Immobilie. Der Trend geht zu einzigartigen individuellen Automobilen.

In den letzten zehn Jahren fordern Kunden auch bei ihren Automobilen ein Höchstmaß an Individualisierung. Mittlerweile haben daher nahezu sämtliche Premium- und Luxusmarken eine sogenannte Bespoke-Abteilung. Diese erfüllen Wünsche all jener Kunden, die für eine klassische Sonderausstattung nur ein müdes Lächeln übrig haben.

Tarnfarbe ade – her mit dem rosaroten Range Rover

Dabei geht es den Unternehmen vor allem um eine sichere Kundenbindung. Selbst wenn die Werksveredler nicht immer mit den Visionen ihrer besser gestellten Kunden übereinstimmen mögen: „Lieber erfüllen wir dem Kunden seine Sonderwünsche, als dass es am Ende zum Beispiel ein freier Lackierer tut“, räumt beispielsweise Miles Hulford ein, als man ihn darauf anspricht, ob auch ein rosaroter Range Rover im Bereich des Möglichen läge.

Rolls-Royce Dawn in Fuxia von Michael Fux

Rolls-Royce Dawn in Fuxia von Michael Fux

Dabei wäre eine spezielle Lackierung noch einer der weniger skurrilen Wünsche, mit denen sich der VIP Liason Manager von Jaguar Land Rover im Beruf konfrontiert sieht. Die Special Vehicle Operations-Abteilung, hat ihren Sitz im britischen Coventry. Sie ist liebevoll auf den Namen „Dream Factory“ getauft und ermöglicht den Kunden tatsächlich, das Auto ihrer Träume zusammenzustellen.

Deswegen gibt es dort nicht nur Dutzende von Lederproben, Lackmuster, Garnrollen oder Türgriffe, sondern auch einen riesigen Touchscreen, an dem sich die Sonderwünsche unmittelbar visualisieren lassen, damit die Klienten auch wirklich das Modell erhalten, das sie sich ersehnen.

Das unerschütterliche Credo lautet hierbei: Was gesetzeskonform ist, wird im Sinne des Kunden auch umgesetzt.

Vom Milliardär erträumt und von Rolls-Royce gefertigt

Mit dieser Einstellung tragen sich außer Jaguar Land Rover jedoch auch die anderen Fabrikanten der Oberklasse: Rolls-Royce ließ so kürzlich beispielsweise den sogenannten „Sweptail“ aus einem Phantom-Modell fertigen, was den chinesischen Milliardär Samuel Tak Lee die Rekordsumme von 12,8 Millionen Euro gekostet haben soll. Der Rolls-Royce Sweptail soll damit das teuerste Auto der Welt sein.

Rolls-Royce Sweptail

Rolls-Royce Sweptail – Frontansicht mit Kühlergrill

„Besondere Kunden verlangen nach besonderen Autos“, verteidigt Rolls-Royce-Designchef Giles Taylor das aufwendige Procedere, das für den britischen Konzern allerdings zum Traditionsbewusstsein der Marke gehöre. In den Gründungsjahren der Automobilwerke seien nämlich sämtliche Luxusmodelle von sogenannten Coachbuildern nach Maßgabe der Käufer eingekleidet worden – und darüber hinaus, so Taylor weiter, gäbe es kein anderes Fabrikat, dessen Kunden derart außergewöhnliche Persönlichkeiten besäßen.

Wer übrigens nicht das nötige Kleingeld besitzt, sich ebenfalls einen gänzlich eigenen Rolls-Royce entwerfen zu lassen, profitiert von anderweitigen Extras: So nennt Taylor das Cockpit des Luxusliners mittlerweile die „Gallery“ und bietet den solventen Käufern an, ihre Konsolen von einem aus dem Firmenpool ausgewählten zeitgenössischer Künstler individuell gestalten zu lassen. Doch nicht nur Rolls-Royce gewährt seinen Kunden derartige Freiheiten für individuelle Automobile.

Viele Luxusmarken lassen automobile Träume wahr werden

Neben den großen Premiummarken haben sich viele Veredler und Tuner auf die Individualisierung von Fahrzeugen spezialisiert. Von edlen Einzelstücken über „1 out of 10“ ist der individuellen Veredelung außer dem finanziellen Spielraum kaum Grenzen gesetzt.

Hier ein paar Beispiele für individuelle Automobile und Sportwagen:

Porsche Carrera GT von Gemballa
Ferrari Superamerica von Peter Kalikow
Bentley Bentayga Field Sports von Mulliner

Auch diesseits von Bentley, Maserati, McLaren und Rolls Royce florieren zunehmend die Individualisierungsabteilungen der Hersteller, in denen ein Corps von Handwerkern den Kunden ihre Träume eines automobilen Unikats ermöglicht.

Denn auch wenn es derlei Werkstätten auch bei Audi, BMW, Mercedes oder Porsche bereits seit vielen Jahren gibt, ist der Andrang doch erst in den letzten Jahren merklich gewachsen: „Mittlerweile wird bei uns zum Beispiel beinahe jeder zweite Porsche 911 individualisiert“, verrät Boris Apenbrink, der zurzeit die Exclusive Manufaktur des Stuttgarter Konzerns führt.

Individuelle Sportwagen von Porsches Exklusive Manufaktur

Dabei handelt es sich nach seinen Angaben zwar gelegentlich durchaus um Wagen, an denen die ausführenden Spezialisten bis zu 60 Stunden arbeiten und somit sechsstellige Beträge in Rechnung stellen. Doch in der Regel überwögen noch immer die Anfragen, bei denen es am Ende um drei- bis vierstellige Summen ginge.

Das Repertoire der Porsche-Manufaktur reicht dabei von vergleichsweise einfachen Extras wie einem in Leder eingefassten Sicherungskasten im Fußraum, über ein zusätzliches Schlüsseletui hin zu einer sichtlich erweiterten Optionsliste mit 600 extra Positionen für Akzentuierung und Sitzbezüge und schließt mit den vollends frei nach Kundenwunsch ausgestatteten Sportwagen.

Individuelle Sportwagenveredelung in der Porsche Exklusiv Manufaktur

Individuelle Sportwagenveredelung in der Porsche Exklusiv Manufaktur

Wen es nach einem absoluten Unikat gelüstet, kann also auch bei Porsche seine Träume realisieren. Man muss aber damit rechnen, den Neupreis seines Wagens zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen. Doch das schreckt die besser gestellten Kunden keineswegs ab: Tatsächlich musste die Porsche Exclusive Manufaktur erst vor wenigen Monaten umziehen. Das Objekt in Zuffenhausen bot schlicht zu wenig Platz für die vielen Individualisierungswünsche der Kunden.

Laut Manufaktur-Leiter Apenbrink werden inzwischen nämlich rund 15.000 Autos jährlich von ihm und seinen Mitarbeitern veredelt; Tendenz weiter steigend.

Swarowski-Edelsteine auf dem Lamborghini Huracan

Lamborghini Automobile S.p.A., die Marke mit dem Stier im Wappen, bietet für seine Kunden ein spezielles Individualisierungsprogramm Ad Personam“. Lamborghini-Kunden können dort Ihren Supersportwagen mit vielen Sonderwünschen und Ausstattungsdetails wie z.B. speziellen Lackfarben individuell veredeln lassen.

Aber selbst hier scheint das Ende ganz spezieller Kundenwünsche nicht erreicht, wie dieses Einzelstück eines Lamborghini Huracán zeigt. Eine Dame aus England ließ ihren Stier nämlich mit 1,3 Millionen Swarowski-Edelsteinen verzieren. Alle Steinchen wurden übrigens von Hand platziert.

Die englische Lady liebt das glitzernde Bling-Bling anscheinend so sehr, dass sie all ihre Fahrzeuge mit dem funkelnden Lackersatz bestücken ließ. So fährt sie neben dem Lamborghini noch einen mit Edelsteinen verzierten Mercedes-Benz CLS sowie Bentley Continental.

Bildquellen: rolls-roycemotorcars.com, porsche.de