Dass Tesla-Chef Elon Musk weiß, wie er sich und seine innovativen Elektroautomobile perfekt in Szene setzt, ist gemeinhin bekannt. Dennoch stellt er es immer wieder gerne unter Beweis, so auch bei der Präsentation des ersten E-Lastkraftwagens des kalifornischen Herstellers.

Eigentlich ging es bei der Veranstaltung in Los Angeles in erster Linie um die Rentabilität eines strombetriebenen Trucks und dessen garantierter Reichweite von rund 800 Kilometern bei vollem Laderaum. Doch nach Abschluss dieser Vorstellung hatte Musk noch eine Überraschung für das begeisterte Publikum auf Lager: Als das Scheinwerferlicht erlosch und Musik ertönte, war dies nicht etwa das Ende des Events, sondern erst die Hinwendung zum eigentlichen Star des Abends.

Aus dem nun mehr geöffneten Laderaum des Sattelschleppers rollte nun nämlich ein leuchtend roter Tesla Roadster 2. Dieser knüpft unmittelbar ans allererste Auto des Konzerns an, übertrifft bei der Aktualisierung jedoch noch die kühnsten Erwartungen.

Tesla Roadster mit Elon Musk

Tesla Roadster mit Elon Musk

Back to the roots: Das kann der neue Alte von Tesla

Der ursprüngliche Tesla Roadster wurde von 2008 bis 2012 produziert und überzeugte während dieser Zeit rund 2450 Kunden weltweit vom Kauf. Das erste Serienfahrzeug des Unternehmens war ab einem Preis von 109.000 Dollar zu haben und schaffte die 100 Stundenkilometer in der letzten Produktionsreihe innerhalb von 3,9 Sekunden.

Mit dem jetzt veröffentlichten Modell Roadster 2 verschiebt sich dieser Wert noch einmal gewaltig nach unten: Der „Roadster 2.0“ soll laut Elon Musk in rasanten 1,9 Sekunden auf 60 Meilen (etwa 96 km/h) beschleunigen sowie eine Quarter Mile (entspricht 402,34 m) in 8,9 Sekunden zurücklegen können und gilt damit als das schnellste Serienauto aller Zeiten.

Tesla Roadster 2

Der Elektrosportwagen Tesla Roadster 2

Das schnellste Serienauto aller Zeiten hat einen Elektromotor

Doch das wird nicht der einzige Rekord sein, den der 2020 erscheinende Sportwagen zu verbuchen hat: Als Höchstgeschwindigkeit werden 400 Stundenkilometer angegeben, darüber hinaus soll die Reichweite des schnittigen Modells selbst bei Highway-Geschwindigkeiten rund 1 000 km betragen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger bedingen diese Neuerungen jedoch auch einen Anstieg im Preis – die Basisvariante des Tesla Roadster 2 soll bei etwa 250.000 Dollar liegen. Wer sich das neue Aushängeschild in Sachen Schnelligkeit bereits reservieren möchte, muss mit einer Anzahlung von 50.000 Dollar rechnen und womöglich eine Menge Geduld mitbringen, denn derzeit hängt das Unternehmen bereits mit der Bereitstellung seines günstigeren Model 3 hinterher.

Die Produktion hinkt hinterher, der Erfindergeist nicht

So verführerisch die technischen Ansätze und die Raffinesse der Modelle des E-Automobilherstellers aus Palo Alto auch sein mögen, können sie doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tesla noch an der Effizienz seiner Produktion feilen muss. Fakt ist nämlich, dass viele der von CEO Musk ausschweifend vorgestellten Modelle wie das Model X in der Folge hinter dem Zeitplan zurück blieben.

Branchenintern werden daher bereits einige Stimmen laut, die prophezeien, dass der erneut nach hinten verschobene serienmäßige Anlauf des Models 3 die Investoren gegen Elon Musk aufbringen könnte. Doch ganz im Sinne der von ihm gewünschten öffentlichen Wahrnehmung als Technik-Visionär lässt der Tesla-Chef bei der Vorstellung des Roadster keinen Raum für Personalspekulationen offen, nicht zuletzt auch, weil er sich darauf versteht, gekonnt mit Superlativen zu jonglieren.

Tesla Roadster

Tesla Roadster

Der weltrekordverdächtige Elektrosportwagen

So räumt er Zweifel an den technischen Fertigkeiten des Roadster 2 bereits in seiner eigenen Präsentation aus: „Das sind alles Weltrekorde. […] Die Zahlen klingen abgefahren, aber sie sind echt.“ Angesichts des euphorischen Jubels der anwesenden Zuschauer, die zwar in der Regel nicht das nötige Kleingeld zusammen bekommen werden, um den Sportwagen später tatsächlich zu fahren, aber jeden von Musks Sätzen mit gehöriger Spannung verfolgen, geht diese Taktik des Aufsichtsratsvorsitzenden offenbar auf. Wer würde denn auch die Serienfähigkeit eines Fahrzeugmodells hinterfragen, wenn dessen Prototyp gerade sämtliche bisher bekannten Maßstäbe sprengt?

Liegt der Einstiegspreis für einen Tesla Roadster 2.0 bei etwa 250.000 Dollar, bleibt erst einmal abzuwarten, was bis 2020 noch alles in Sachen Elektrosportautos passieren wird. Auch andere Hersteller haben hier noch vergleichbare Projekte in der Schublade. Und ob es bis dahin überhaupt noch möglich ist, 400 km/h schnell zu fahren, steht ebenfalls in den Sternen.

Bildquelle: tesla.com