Wer ausgefallene Hobbys hat, benötigt häufig auch besondere Versicherungen, deren Schutz weit über die Standardleistungen hinaus reicht. Das gilt für Extremsportarten, kostbaren Schmuck, teure Möbel oder Immobilien. Insbesondere natürlich auch für Old- oder Youngtimer, die nicht nur Pflege, sondern zudem einen umfassenden Schutz brauchen. Einen Oldtimer richtig versichern, worauf ist hierbei zu achten?

Oldtimer richtig versichern – Was ist zu beachten?

Chrom blinkende Kostbarkeiten brauchen einen adäquaten Schutz. Daher bietet sogar der ADAC (s)eine eigene Classic Car-Versicherung an, bei der zum Beispiel eine Jahreslaufleistung von 9.000 Kilometern inkludiert ist. Die sollte, gerade bei Oldtimern, in den meisten Fällen völlig ausreichen, da diese meist Liebhaberstücke sind, die selten(er) als Geschäftsfahrzeug genutzt werden.

Eine hohe Laufleistung sollte daher bei Oldtimern kaum das Problem sein. Doch warum muss überhaupt an eine Spezialversicherung gedacht werden?

Rolls Royce mit Spirit of Ecstasy

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Was ist der Zeitwert?

Nun, hier spielt der so genannte Zeitwert eine entscheidende Rolle. Der beziffert den Wert eines Fahrzeugs beim Unfall, also die Summe, die bei einem Totalschaden ersetzt wird. Dabei wissen wir alle, dass nahezu jedes Fahrzeug rapide an Wert verliert.

Gerade in den ersten Monaten und Jahren ist der Wertverlust enorm. Hier können auch und gerade Nobelmarken, binnen einer Fünfjahresfrist, schon mal 60 Prozent ihres ursprünglichen Wertes einbüßen. Andererseits gibt es so genannte Restwertriesen, die beim Thema Zeitwert deutlich weniger Federn lassen.

Von „Restwertriesen“ und Oldtimern

Zu den Restwertriesen zählen häufig Geländewagen oder Fahrzeuge aus dem Sektor der SUV. Doch auch einige Kleinwagen oder der Billiganbieter Dacia sind in Sachen Werterhalt nur schwer zu schlagen. Ansonsten jedoch gilt die Prämisse, dass wir, sobald wir beim Händler vom Hof rollen, bereits einige Prozentpunkte an Wertverlust eingefahren haben. Tatsächlich kann ein Wagen, der viel gefahren wird, bereits binnen eines Jahres 15 Prozent seines ursprünglichen Wertes verlieren. Und das trotz sorgfältiger Pflege.

Fast paradox: Wagen, deren Wert steigt

Genau das jedoch ist bei Oldtimern völlig anders und macht diese, auch versicherungstechnisch, so besonders. Denn der Wert eines gut erhaltenen Oldtimers wird seinen ehemaligen Herstellungs- und Anschaffungspreis in aller Regel bei weitem übersteigen. Zudem wird man bei derartigen Fahrzeugen stets von weiteren Preissteigerungen in der Zukunft ausgehen. Wie also kann unter diesen Gesichtspunkten überhaupt ein sinnvolles Versicherungspaket geschnürt werden?

Nun, bei dieser Überlegung taucht dann ein neuer Begriff auf, nämlich der so genannte Wiederherstellungswert. Bei einigen Unternehmen kann man genau diesen versichern. Oder aber zwischen einer Versicherung des Markt-, des Wiederbeschaffungs- und des Wiederherstellungswertes wählen. Dabei wird dann das eigene Fahrzeug wieder aufgebaut, das ansonsten womöglich „nur“ durch ein gleichwertiges Produkt ersetzt wird. Zudem gibt es, gerade für Oldtimer, auch so genannte Allgefahren-Versicherungen, die nicht nur ein Abhandenkommen des Wagens, sondern auch Beschädigungen und Zerstörungen absichern.

Oldtimer mit Wertzuwächsen

Manche Wertzuwächse bei Oldtimern übersteigen bei weitem den Anschaffungspreis

Die Sache mit dem Schadensfreiheitsrabatt

Dabei kann bei Oldtimern gerade die Wertsteigerung, an sich eine tolle Sache, versicherungsrechtlich zum Problem werden. Schließlich könnte ein Halter bei einem Wagen, der permanent in seinem Wert steigt, rasch unterversichert sein. Sinnvoll ist es daher, wenn eine bestimmte (jährliche) Wertsteigerung bereits in der Police fixiert ist.

Bei bestimmten Anbietern beinhaltet die Oldtimerversicherung daher bereits eine Vorsorge in Höhe von 25 Prozent. Dennoch sind Besitzer von historischen Kostbarkeiten gut beraten, den Markt und die Preise im Auge zu behalten und bei größeren Wertzuwächsen, den Versicherer zu kontaktieren. Denn schließlich wünscht sich jeder, dass im Fall der Fälle (der per se ja schon ärgerlich genug ist) dann auch eine adäquate Summe gezahlt wird.

Übrigens werden bei speziellen Oldtimer-Versicherungen in aller Regel keine Schadensfreiheitsrabatte verrechnet; das bedeutet, dass man nach einem Unfall auch nicht automatisch hochgestuft wird!

Die Treue zum Unternehmen?

Tatsächlich könnten sogar unterschiedliche Anbieter mit der Haftpflicht und der Kasko betraut werden. Dies kann gerade bei Old- und Youngtimern (s)einen guten Sinn machen. Nämlich dergestalt, dass man sein Alltagsfahrzeug samt Oldtimer bei einem Unternehmen X haftpflichtversichert und dann für sein automobiles Schätzchen nochmals eine Spezial Kasko-Versicherung bei Versicherer Y abschließt, der mit dieser Thematik besonders vertraut ist.

Hinweis: Kein Fahrzeug muss ein H-Kennzeichen besitzen, um als Oldtimer versicherungsfähig zu sein.

Oldtimer H-Kennzeichen

Ein gepflegter Oldtimer mit H-Kennzeichen kann beträchtlich im Wert steigen

Kleingedrucktes beachten!

Dennoch sollten gerade Besitzer von Oldtimern lieber einmal mehr als einmal zu wenig nachfragen. So stellt sich die Frage, ob auch Brände, Explosionen und Elementarereignisse (also Stürme, Lawinen und Überschwemmungen) mitversichert sind.

Auch Kurzschlüsse können, gerade bei älteren Fahrzeugen, ein heikles Thema sein. Nicht zu vergessen die Ersatzteile, die häufig bares Geld wert sind. Wie also sieht es mit Stoßstangen oder Kotflügeln aus, die ein begeisterter Schrauber in seiner Garage einlagert? Natürlich sollten aber auch Transportschäden (schon mancher Oldtimer ist von seinem Hänger gerutscht) mit abgedeckt sein.

Übrigens sind für einige Oldtimer- und Spezialversicherungen, insbesondere oben genannte Allgefahrenabdeckung, ein Gutachten und ein bestimmter Mindestwert- und -zustand des Wagens erforderlich, um überhaupt eine derartige Police abschließen zu können.

Ein kurzes Fazit:

Damit sollte man sich vor der Anschaffung (s)eines Oldtimers auch für die versicherungsrechtlichen Themen genügend Zeit nehmen. Einen Oldtimer richtig versichern: Dazu zählen dann auch ganz banale Überlegungen wie die Frage, ob schadensfreie Jahre später auf ein anderes, „normales“ Fahrzeug übertragen werden können?